Musikverlage an die Wand!

22.August.2006 - 14:51 | Meinung | 9 Kommentare |
Autor: Struppi

Die Musikindustrie war ja schon in meiner Jugend Scheiße (während sie in den 70′ern noch Musik gemacht hat – es gibt unzählige Schätze die z.b. bei Teldec oder deutsche Phonogramm erschienen sind). Musik als Mittel zum Zweck des Geldverdienens, mag zwar für manche sinnvoll sein, denen es daran mangelt.
Doch das viele Menschen Musik hören und machen als Ausdruck ihrer Gefühle - Ja! Ich verwende ausnahmsweise mal dieses Wort – benutzen, will solchen Heinis nicht in den Kopf. Stattdessen wird am Reißbrett entworfene Musik durch, von Visagisten und anderen Modegeckos gestylten Schülern, auf den Markt geworfen – nein! Sie wird dir wie Gülle über den Kopf geschüttet, du kannst ihr nicht ausweichen – nirgendwo!

Nun denken einige Menschen, dann mach ich halt selber Musik und weil es sich leichter lernt, wenn man Vorlagen verwendet, hat sich im Internet ein reger Austausch von Songtexten und deren Tabs (für Nichtmusiker, mit Hilfe von Tabs kann man Gitarre oder auch Bass zu Liedern spielen auch ohne Noten ). Es gibt nämlich beneidenswerte Leute die hören Akkordfolgen aus der Musik raus (ich kann das leider nicht, :-( ) und schreiben sie dann auf. So eine Seite war z.b. www.punktabs.de da hat über Jahre jemand Tabs gesammelt. Dass die Domain momentan down ist, liegt wohl an dem vorgehen der Verlage, da ja selbst einige Punkbands Verträge mit den Blutsaugern abschliessen.

Naja, was Recht ist muss Recht bleiben und Recht hat der, der sich einen Anwalt leisten kann und daher werden Songtexte und Tabs mit einem Copyright versehen und dann mittels überteurer Notenheftchen, in denen dann meistens nur Schrottlieder drin sind (bis auf das eine weswegen es sich man kauft) abkassiert. Und vor allem, kannst du als Anfänger mit diesen Dingern kaum was anfangen, weil oft irgendwelchen bescheuerten Akkorde, die kein Mensch greifen kann, verwendet werden und dann das Lied nicht mal so klingt wie du es kennst. Deshalb waren die Quellen im Internet eine feine Sache für alle Beteiligten.

Für alle? Nein, es war nur noch eine Frage der Zeit, bis die Musikverlage einschreiten.

Wer einen Plattenvertrag unterschreibt ist ein Vollidiot!


9 Kommentare »

  1. Gravatar Herr Calypse (11.September.2006 - 00:15)  

    Hey Struppi,

    dass Kunst immer irgendwie Ausdruck von Gefühlen ist, liegt in der Sache selbst.
    Es stimmt natürlich, dass uns die Kulturindustrie mit völlig hirnlosem Quatsch belästigt und diesen Quatsch dann als Kunst deklariert. Das liegt natürlich auch daran, dass ein “falsches Bewusstsein” in den Köpfen der Menschen erzeugt werden soll, das sie an der Erkenntnis hindern soll, ausgebeutet zu werden. Und das passiert nicht erst seit den 70ern.

    Wir alle mögen aber “echte” Kunst. Und diese “echte” Kunst kann nunmal nicht am Reissbrett hergestellt werden, sondern erfordert Hingabe und Zeit. Und es gibt sie und es hat sie immer gegeben.

    So wie ich deinen Text verstehe, möchtest du Künstlern generell die Möglichkeit, durch ihre Arbeit Geld zu verdienen, absprechen. Sie alle sollen ihre Arbeit als Hobby verstehen und nebenbei “schaffen” gehen. Und sie sind alle “Vollidioten” wenn sie versuchen, mittels eines Plattenvertrags -bei Musikern- durch ihre Kunst ihren Lebensunterhalt zu verdienen.

    Es gibt duzende Texte wie diesen in Blogs und sonstigen Internetseiten. Und sie sind alle Blödsinn! Es ist an der Zeit, sich ernsthaft Gedanken zu machen, wie Künstler in Zeiten des Internets entlohnt werden könnten, ohne dass die “Kunden” kriminalisiert werden. Und dies betrifft in erster Linie Musiker, denn deren Kunst -die Songs- sind durch die Tatsache, dass die Möglichleit der Virtualisierbarkeit besteht, beliebig reproduzierbar.

    Trotzdem hat der Künstler meiner Meinung nach ein berechtigtes Interesse, für seine Arbeit entlohnt zu werden. So wie es der Straßenfeger und der Topmanager auch hat.

    Die Musikindustrie hat den Fehler gemacht, bestehende Strukturen auf ein neues Medium zu projezieren, nicht die Künstler. Und hier besteht die Möglichkeit, etwas Neues zu schaffen, das sowohl die Interessen der Rezipienten als auch der Urheber vertritt.

    Niemand ist ein Vollidiot, weil er einen Plattenvertrag unterschreibt, wenn er nicht die Auswahl hat, zwischen einem tollen und einem schlechten Vertrag zu wählen, nur weil die tollen Verträge nicht existieren.

    Es gibt nunmal kein richtiges Leben im Falschen.

    Cheers, der Herr Calypse

  2. Gravatar Struppi (11.September.2006 - 00:38)  

    Natürlich ist jeder ein Vollidiot der einen Plattenvertrag unterschreibt.

    Ich will nicht einem Künstler – sofern man davon überhaupt sprechen kann – seine Möglichkeiten Geld zu verdienen absprechen. Sondern das Problem ist, dass es für “die Industrie” nur eine Möglichkeit, leider auch in der Vorstellung vieler Musiker, für eine gerechte Entlohnung gibt. Die da heißt, das Produkt möglichst restriktiv schützen und aus jedem “nutzen” des Produktes Geld zu ziehen, dasss in erster Linie Labels, Verlage und andere Marketingorganistationen einstreichen und eben nicht die Musiker.

    Es ist doch unbestreitbar so, dass seit die Leute die Musik kostenlos hören können und auch sonst kostengünstig Zugriff auf alle Informationen rund um die Band haben, erst die Leute verdienen die sich am Musik machen und vermarkten wirklich den Arsch aufreissen müssen: Die Musiker und die Veranstalter (auch wenn ich die nicht immer für angenehmer Zeitgenossen halte).

    Ein Musiker – davon reden wir ja hier in erster Linie – hat ein Interesse, dass sein Werk verbreitet wird. Dadurch das es leicht zugänglich ist und sich leicht verbreiten läßt, hat er die Möglichkeit sein Werk aufzuführen und einen entsprechendes Entgeld zu verlagen. Und nicht umgekehrt.

    Und das man in Vorleistung treten muss (Studiokosten) gehört zum Musikmachen einfach dazu und wer das nicht will, soll es lassen.

    Alles in allem ist es auf jeden Fall einfacher sein Musik zu verbreiten und mit Musik erfolgreich zu sein mit Internet als davor und ein Plattenvertrag stammt aus der Zeit davor.

    Und da wir mit unseren Bands mit grosser Wahrscheinlichkeit nie in der Verlegenheit kommen einen Plattenvertrag (zumindest einen der den Ausdruck dann auch verdient) zu unterschreiben ändert sich für uns sowieso alles nur zum positiven.

  3. Gravatar Herr Calypse (11.September.2006 - 11:18)  

    Simples Musiker-bashing führt allerdings zu gar nichts.

    Meiner Meinung nach sollte man sich vielmehr Gedanken machen, welche Möglicheiten durch Lizenzen wie Creative Commons u.a. entstehen und ob man diese Lizenzverträge noch verfeinern kann und welche Rolle ein Management in Zukunft für eine Band spielt.

    Denn es kann nunmal nicht jeder seine Werke selbst verbreiten. Dafür gibt es Spezialisten, die ihr Handwerk verstehen und dann auch gerne was vom Kuchen abbekommen sollen.

    Jede moderne Gesellschaft ist arbeitsteilig organisiert, warum sollte das in diesem Fall anders sein?

  4. Gravatar Struppi (11.September.2006 - 11:38)  

    Spricht ja auch nichts dagegen, dass es noch Leute gibt die am Marketing Geld verdienen, aber eben nicht mit dieser rigorosen Machtfülle, die Künstler eher behindert als fördert.

    Und wenn sich alle Leute die Musik überall kostenlos runterladen und es keine Labels mehr gibt, wenn stört das? Die Musiker nicht.

    Deshalb sind alle Musiker die diese veraltete Form der Vermarktung durch ihre Unterschrift am Leben erhalten Idioten, die nicht sehen, dass die freie Verbeitung ihrer Werke ihnen mehr bringt, als die Variante, die versucht aus den Musikhörern noch den letzten Cent rauszupressen.

  5. Gravatar Herr Calypse (11.September.2006 - 12:08)  

    Und wenn sich alle Leute die Musik überall kostenlos runterladen und es keine Labels mehr gibt, wenn stört das? Die Musiker nicht.

    Das gilt vielleicht für Uffta82 und für Motorkopp. Aber sicher nicht für Bands wie Billy Talent oder Slayer oder Motörhead (die Liste ließe sich endlos verlängern).
    Wenn bspw. ein DJ Musik saugt und diese dann in einem Club spielt, für dessen Besuch die Leute Eintritt bezahlen, weil sie diese Musik dort hören möchten, haben die betreffenden Bands ein berechtigtes Interesse, an den Einnahmen beteiligt zu werden.
    Es ist also an der Zeit, entsprechende Lizenzen zu formulieren und deren Einhaltung zu kontrollieren, die die Interessen der Urheber schützen, ohne dass überbürokratisierte und den heutigen Umständen in keinster Weise angepassten Organisationen wie die GEMA eingeschaltet werden.
    Verstehe mich nicht falsch, ich bin für Musikdownloads und Tauschbörsen, finde aber, dass man eine so wichtige Sache ein wenig reflektierter und konstruktiver angehen sollte.

  6. Gravatar Struppi (11.September.2006 - 12:35)  

    Ich bin sehr reflektiert, ich seh deine Beispiele genau andersrum.

    Auch diese Bands haben ein Interesse daran, dass ihre Musik verbreitet wird. Wenn die Leute die Musik in einem Club hören und gut finden, werden sie sehr wahrscheinlich bereit sein, dafür Geld zu bezahlen. Wenn du aber nicht die Möglichkeit hast, die Musik zu hören, weil du die Musik nicht kennnst und nicht die Katze im Sack kaufen willst, wirst du nie einen Gedanken an Slayer verschwenden.

    Das sind gerade Beispiele, die aus dem alten System kommen. Ich habe nie Kontakt mit den genannten Musikern gehabt, weil ich niemanden kannte der solche Musik gehört hat und weil ich sie nirgends kostenlos hören konnte. Im gegensatz dazu hab ich die Arctic Monkeys auf meinem Rechner und ich könnte mir durchaus vorstellen ein Konzert von denen zu besuchen.

    Es ist also eher genau umgekehrt wie du es siehst.

    Du glaubst doch nicht das die Leute 20/30 Euro für eine Konzert bezahlen, wenn sie vorher schon 20-30 Euro für eine CD bezahlen mussten und dann nochmal Eintritt, wenn sie die Musik in einem Club hören.

    Da viele schwarz brennen und kostenlos tauschen gehen sie aber auf Konzerte und Festivals deren Eintrittspreise, teilweise um ein vielfaches, über den Preisen von früher liegen und kaufen keine CDs sondern T-Shirts. Woran verdienen die Bands mehr?

  7. Gravatar Herr Calypse (11.September.2006 - 12:52)  

    Hab keine Lust mehr zu tippen. Lass uns das lieber beim Bier bequatschen.

  8. Gravatar Struppi (11.September.2006 - 14:11)  

    Haha, gewonnen :-)

  9. Gravatar Herr Calypse (11.September.2006 - 14:21)  

    Haha, gewonnen :-)

    Völliger Quatsch! Ich hab lediglich auch noch ein Tagwerk zu verrichten.

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